Dienstag, 6. Oktober 2026 – internet24 Boulevard –

 

Frankreich droht zum Epizentrum der nächsten Euro-Krise zu werden. Die Renditen französischer Staatsanleihen stehen so hoch wie seit 2002 nicht mehr, das Misstrauen der Anleger wächst, und Paris fehlt jede Kraft zu den Reformen, die es bräuchte. Die EZB sollte dem Land dennoch nicht zur Hilfe eilen.

Politisch wie wirtschaftlich gerät das Land ins Rutschen. Schülerproteste kippen in Strassenschlachten, Fischer blockieren gegen Spritpreise, der öffentliche Dienst fordert mehr Geld für weniger Leistung. In Frankreich ist der Aufstand weniger Ausnahme als Staatsritual: Wer unzufrieden ist, zündet etwas an und nennt es Demokratie. Die Unruhe auf der Strasse trifft auf eine ohnehin angespannte Lage an den Märkten.

Die Schuldenquote steuert auf 120 Prozent des Bruttoinlandprodukts zu. Damit liegt Frankreich nach Griechenland und Italien an dritter Stelle in der Euro-Zone, fast doppelt so hoch wie Deutschland. Peinlich für ein Land, das sich gern als Führungsmacht und moralische Instanz Europas inszeniert und zugleich nicht einmal den eigenen Haushalt im Griff hat. Der Abstand der französischen zu den deutschen Anleiherenditen ist auf 1,4 Prozentpunkte geklettert, grösser als jener Italiens, Griechenlands oder Spaniens. Anleger verlangen eine satte Risikoprämie, der Euro hat gegenüber Dollar und Franken bereits nachgegeben. Was in Paris als Grösse gilt, wirkt an den Märkten wie ein Klumpenrisiko für die ganze Währungsunion.

Beobachter spekulieren bereits, ob die EZB ihr 2022 geschaffenes Anleiheprogramm TPI erstmals für Frankreich aktiviert. Die Bedingungen sind so weich formuliert, dass sich ein Einsatz leicht rechtfertigen liesse. Vorher stehen mildere Varianten im Raum: Die im September auf 3,8 Prozent gesprungene Inflation kleinreden, um Zinsschritte zu verschieben, verbal zugunsten französischer Papiere intervenieren oder fällige Gelder aus dem Pandemieprogramm Pepp gezielt nach Paris umschichten. All das würde den fehlenden Reformwillen nur belohnen.

Premierminister Sébastien Lecornu hat im Parlament keine Mehrheit, die Opposition will vor der Präsidentschaftswahl 2027 keine unpopulären Sparbeschlüsse mittragen. Die französische Krise hat damit echtes Eskalationspotenzial. Genau deshalb sollte die EZB stillhalten. Wer seine Probleme nicht lösen will, darf sie nicht auf die Nachbarn abwälzen. Frankreich muss seine Rechnung selbst begleichen, statt die Euro-Zone als bequeme Versicherung gegen die eigene Unfähigkeit zu behandeln.

 

 

 

 

 

 

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