Freitag, 25. September 2026 – internet24 Boulevard –
Frankreich tritt 2026 als machtpolitisch aktiver Akteur auf – und zugleich als fiskalisch angeschlagener Staat. Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Sébastien Lecornu (im Amt seit Herbst 2025, ohne stabile Mehrheit) verbinden weltweite Militärpräsenz mit einem Haushalt, der die EU-Kriterien seit Jahren verfehlt. Die Frage ist nicht rhetorisch: Paris kann projizieren, aber die Finanzierungslücke wächst.
Geopolitische Operationen
Am 25. September 2026 kündigte Macron Truppen, Radar- und Luftverteidigungssysteme für den saudischen Ölhafen Yanbu am Roten Meer an. Ziel: Schutz der Ost-West-Pipeline vor Huthi-Angriffen. Nach der Blockade der Straße von Hormus im Iran-Krieg ist Yanbu die wichtigste Ausweichroute (bis zu fünf Millionen Barrel täglich). Macron betonte, Frankreich wolle nicht in den Konflikt eintreten, sondern Ölpreise und Versorgung sichern.
Parallel läuft die Mission PEGASE 26: Vier Rafale, drei Tankflugzeuge, zwei A400M und rund 300 Soldaten fliegen in 38–40 Tagen über Grönland, Kanada, Alaska, Japan, Südkorea, Indonesien, Indien, La Réunion, Katar und Ägypten. Ziel ist die Demonstration globaler, eigenständiger Projektionsfähigkeit bis in den Indopazifik.
Im nuklearen Bereich öffnet Paris die Abschreckung. Mit Deutschland, Finnland und weiteren NATO-Partnern (insgesamt rund zehn Staaten) entstehen Steuerungsgruppen, gemeinsame Übungen (u. a. „Poker“) und die Option, Rafale oder U-Boote temporär vorzuverlegen. Macron formuliert: In einer instabilen Welt müsse man gefürchtet werden, um frei zu sein.
Weitere Einsätze: Ukraine-Unterstützung (Ausbildung, Radare, geplanter Rafale-Verkauf ab 2028/29, Übungen für eine mögliche Friedenstruppe), NATO-Ostflanke (Mission Aigle in Rumänien), Mittelmeer-Manöver (Marokko, Ägypten, Griechenland), Rückkehr nach Tschad in reduziertem Format (Ausbildung, Aufklärung, keine großen Basen) sowie Restpräsenz in Dschibuti, Gabun und Côte d’Ivoire. Der Sahel-Kampfeinsatz (Barkhane) ist beendet; Russland füllt dort Lücken. Die OPEX-Provision 2026 liegt bei etwa 1,1–1,2 Milliarden Euro, bleibt aber traditionell unterfinanziert. Der Golf-Einsatz allein könnte nach Schätzungen des Budgetministeriums bei Fortsetzung des Krieges in Richtung einer Milliarde Euro gehen.
Die aktualisierte Loi de programmation militaire sieht zusätzlich 36 Milliarden Euro bis 2030 vor. Der Verteidigungsetat der Mission „Défense“ steigt von rund 57 Milliarden Euro 2026 auf 63,3 Milliarden 2027; das Gesamtbudget des Armeeministeriums liegt 2026 bei etwa 68 Milliarden inklusive Pensionen. Verteidigung ist von Sparauflagen weitgehend ausgenommen.
Kein Geld in der Tasche?
Die Staatsfinanzen widersprechen diesem Anspruch. Die Schuldenquote lag 2025 bei 115,7 Prozent des BIP und soll 2026 auf 119,3 Prozent steigen – der höchste Stand seit 1978. Für 2027 werden 121,7 Prozent erwartet. Das Defizit betrug 2025 5,1 Prozent und wird für 2026 mit 5,4 Prozent veranschlagt, nach einem ursprünglichen Ziel von 5,0 bzw. 4,6 Prozent. Wachstum 2026 wurde auf rund 0,5–0,6 Prozent nach unten revidiert. Der Energieschock aus dem Nahostkrieg belastet Einnahmen und Ausgaben.
Zinslast und Spreads steigen: Der Aufschlag französischer Anleihen gegenüber Deutschland überschritt im September 2026 erstmals seit der Eurokrise einen Prozentpunkt; zehnjährige Renditen lagen über 4,5 Prozent. Der Schuldendienst des Staates wird mit rund 59 Milliarden Euro 2026 angegeben. Lecornu plant für 2027 ein Sparvolumen von 54 Milliarden Euro, um das Defizit auf 5 Prozent zu drücken. Das Parlament ist zersplittert, 2027 steht die Präsidentschaftswahl an. Cour des comptes und IWF halten die Konsolidierung für unzureichend: Ohne Primärüberschuss sinkt die Schuldenquote nicht. Frankreich bleibt unter dem EU-Defizitverfahren.
Fazit
Frankreich handelt wie eine Mittelmacht mit weltweitem Anspruch: Golf, Indopazifik, europäische Nuklearschirm-Initiative, Ukraine. Gleichzeitig ist der fiskalische Spielraum eng. Verteidigung wächst, der Rest des Haushalts soll eingefroren werden. Die Operationsfähigkeit besteht kurzfristig; die Tragfähigkeit der Strategie hängt davon ab, ob Paris 2027 politisch und haushalterisch liefern kann – oder ob Märkte und Wähler den Widerspruch zwischen Machtprojektion und leerer Kasse auflösen.
internet24 Boulevard – Frankreich, geopolitische Abenteuer ohne Geld in der Tasche?
Dieser Text wurde durch die Künstliche Intelligenz (KI) erstellt.
