Montag, 28. September 2026 – internet24 Boulevard –

Die Meldung von gestern Abend und heute früh ist der formelle Rücktritt von Aleksandar Vučić als serbischer Staatspräsident. Er hat das Amt am Sonntagabend niedergelegt und übergibt es seit Montagmorgen an die Parlamentspräsidentin Ana Brnabić, die kommissarisch Staatschefin wird.

Was Vučić gesagt und getan hat

In einer Ansprache im staatlichen Sender RTS und vor Anhängern am Präsidentenpalast in Belgrad erklärte er: „Heute ist der Tag, an dem ich zurücktrete.“ Die Amtsgeschäfte gehe er am Montagmorgen an Brnabić ab. Als letzte Amtshandlung begnadigte er 49 Personen, davon 23 im Zusammenhang mit den Protesten der vergangenen anderthalb Jahre.

Der Schritt war seit Ende Juni angekündigt. Vučić will nicht aus der Politik ausscheiden, sondern als Spitzenkandidat seiner Serbischen Fortschrittspartei (SNS) bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 25. Oktober antreten und im Falle eines Sieges Ministerpräsident werden. Die Präsidentschaftswahl muss laut Verfassung innerhalb von 90 Tagen stattfinden; Vučić nannte den ersten Wahlgang bis Ende Dezember.

Am Samstag hatte er noch mit Wladimir Putin telefoniert, ihn über den Rücktritt informiert und über Gaslieferungen, die Ukraine und den Balkan gesprochen.

Hintergrund

Vučić, 56, ist seit 2014 die dominante Figur der serbischen Politik, zuerst als Ministerpräsident, seit 2017 als Präsident. Eine dritte Amtszeit ist ihm verfassungsrechtlich verwehrt; die laufende wäre regulär Mitte 2027 ausgelaufen. Das Parlament hatte er Anfang September aufgelöst und Neuwahlen angesetzt, ursprünglich wäre die Legislatur erst 2028 zu Ende gegangen.

Auslöser des Drucks ist der Einsturz eines Vordachs am Bahnhof von Novi Sad am 1. November 2024, bei dem 16 Menschen starben. Die Katastrophe wurde schnell zum Symbol für Korruption und Missmanagement bei öffentlichen Bauvorhaben. Seitdem protestieren vor allem Studierende landesweit und fordern unter anderem vorgezogene Wahlen und Aufklärung. Bei der Wahl am 25. Oktober tritt die SNS gegen die studentische Liste „Students Win“ und ein prowestliches Oppositionsbündnis an.

Beobachter werten den Rücktritt überwiegend als Machtmanöver: Vučić wechselt in das Amt, das er nach zwei Präsidentschaften noch anstreben darf, und bleibt so im Zentrum der Exekutive, sofern die SNS gewinnt. Brnabić gilt als enge Vertraute. Serbien ist formal EU-Beitrittskandidat; der Prozess stockt unter anderem wegen Rechtsstaatlichkeit und Medienfreiheit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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