Donnerstag, 1. Oktober 2026 – internet24 Boulevard –

In Frankreich laufen gerade mehrere Protestwellen parallel. Sie sind nicht auf die großen Städte beschränkt, auch wenn Paris, Lyon, Marseille, Bordeaux, Lille, Nantes und Toulouse am sichtbarsten sind.

Was gerade passiert?

Schülerblockaden, teils gewalttätig

Seit etwa einer Woche blockieren Lycée-Schüler Schulen. Gestartet ist das in der Île-de-France (vor allem Banlieues wie Saint-Denis), inzwischen ist es landesweit. Innenministerium: am Mittwoch rund 356 betroffene Schulen. Die Schülergewerkschaft Union étudiante spricht für Donnerstag von deutlich mehr Blockaden oder Versuchen und von rund 30 blockierten Unis (unter anderem Paris, Nanterre, Lyon, Marseille, Strasbourg, Poitiers, Reims).

Forderungen: Vertretungslehrer, kleinere Klassen, mehr Mittel, gegen marode Gebäude und überfüllte Stundenpläne. Am Mittwoch wurden laut Innenminister Laurent Nuñez 625 Menschen festgenommen, 83 Polizisten und Gendarmen verletzt, seit Beginn insgesamt 119 Schüler und Schulpersonal. Es gab Mülltonnenbrände, Steinwürfe, Tränengas, Brandanschläge auf Schulen (unter anderem Nantes) und in Marseille einen Angriff, bei dem ein Schulleiter mit Benzin übergossen und verletzt wurde. Premierminister Sébastien Lecornu hat am Donnerstag eine Krisensitzung einberufen. Macron nennt die Sorgen berechtigt, Gewalt aber nicht hinnehmbar.

Das betrifft nicht nur Metropolen: Blockaden und Zusammenstöße gibt es auch in kleineren Städten wie Reims, Laon, Épernay, Soissons, Grenoble oder Châlons-en-Champagne.

Öffentlicher Dienst und Haushalt

Am 29. September streikten Beamte, Lehrer, Feuerwehr und Klinikpersonal gegen den Entwurf für den Haushalt 2027. Geplant sind laut Gewerkschaften Einsparungen von rund 54 Milliarden Euro und ein weiterer Einfrieren der Besoldung. Gewerkschaften sprachen von rund 300.000 Teilnehmern in etwa 170 Städten, die Polizei von deutlich weniger (in Paris rund 30.000). Der Haushalt wurde am Donnerstag vorgestellt.

Spritpreise

Seit Mitte September protestieren Fischer, Energiearbeiter, Bauern und andere gegen Dieselpreise nahe dem Rekord (rund 2,37 Euro pro Liter). Hintergrund ist die Blockade der Straße von Hormuz im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg 2026. Es gab Hafenblockaden (Nizza, Sète) und Sperren von Tanklagern (Frontignan, Fos-sur-Mer), Reifenfeuer und hohe Streikbeteiligung bei EDF. Lecornu hat die Spritzuschüsse für betroffene Branchen bis Ende des Jahres angehoben; die Proteste sind damit nicht beendet.

Verkehr

In Paris läuft seit dem 28. September ein unbefristeter Streikaufruf der CGT-RATP (Metro, RER, Busse), mit wechselnder Wirkung. Für den 17.–21. Oktober ist ein Streik von Piloten und Kabinenpersonal angekündigt (Air France, Transavia, Corsair und andere), zeitgleich mit den Herbstferien.

Vergleich mit den Gelbwesten

Die Parallele wird vor allem beim Sprit gezogen. In sozialen Netzwerken kursieren Aufrufe zu einer neuen Gelbwesten-Mobilisierung am 17. Oktober 2026, bewusst nah am Datum des Starts 2018 (17. November). Auch damals war der Auslöser eine Erhöhung der Kraftstoffsteuer, dazu Lebenshaltungskosten und das Gefühl, die Regierung ignoriere die Provinz. Die Bewegung war führerlos, stark über Facebook organisiert, konzentrierte sich auf Kreisverkehre und Mautstellen außerhalb der Innenstädte und eskalierte in Paris an den Samstagen.

Ähnlich ist 2026: wieder Spritpreise als Funke, wieder Lebenshaltungskosten, wieder Macron in der Élysée, wieder Social-Media-Aufrufe ohne klare Führung, und wieder der politische Druck vor einer Präsidentschaftswahl (2027). Lecornu hat mit Branchensubventionen ähnlich reagiert wie die Regierung 2018 mit Zugeständnissen, ohne den Unmut zu beenden.

Unterschiede bisher: Die sichtbare Straße ist gerade vor allem eine Schülerbewegung in und vor Schulen, oft in Städten und Vororten, mit Blockaden und Krawallen, nicht die typische Gelbwesten-Besetzung von Kreisverkehren durch Pendler und Selbstständige. Parallel laufen klassische Gewerkschaftsstreiks gegen den Haushalt. Ob der 17. Oktober wirklich eine zweite Gelbwesten-Welle wird, ist offen. Die Behörden beobachten die Aufrufe; eine Massenbewegung wie 2018/19 ist noch nicht da.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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