Samstag, 7. November 2026 – internet24 Finanzboulevard –

In der serbischen Bevölkerung wird der Fall untrennbar mit der Politik verknüpft. Davor Macura gilt als enger Vertrauter des langjährigen Machthabers Aleksandar Vučić und dessen Partei SNS. Der Kollaps der Bank passierte unmittelbar nach den Parlamentswahlen vom 25. Oktober 2026, bei denen die SNS nach 14 Jahren an der Macht eine historische Niederlage gegen eine studentisch geführte Bewegung einstecken musste. In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit drängt sich der Verdacht auf, dass die Bank gezielt als Vehikel genutzt wurde, um staatliche Gelder und Vermögen privilegierter Regime-Insider im letzten Moment vor dem Machtwechsel in Sicherheit zu bringen.

( https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-11-02/serbia-police-arrest-macura-owner-of-alta-banka-n1-reports )

Alta Banka: Vom Wachstumsmotor zum Insolvenzfall

Innerhalb weniger Tage ist aus der Alta Banka eine der sichtbarsten Bankenpleiten Serbiens seit über zehn Jahren geworden. Die Nationalbank Serbiens entzog dem Institut Ende Oktober 2026 die Lizenz, das Handelsgericht Belgrad eröffnete kurz darauf das Insolvenzverfahren, und der Eigentümer Davor Macura geriet in Untersuchungshaft. Der Zusammenbruch fällt in eine Phase politischer Umbrüche und wirft Fragen nach Aufsicht, Wachstum und Kundenstruktur auf.

 

Der Aufstieg aus einer Wechselstube

Davor Macura begann 2008 mit einer Wechselstube im Belgrader Stadtteil Zemun. Aus diesem Startpunkt formte er die Alta Group. 2019 und 2020 übernahm die Gruppe die Kontrolle über die frühere Jubmes Banka und führte sie ab 2020 unter dem Namen Alta banka weiter. Die Bilanzsumme stieg in kurzer Zeit stark an und erreichte 2025/2026 Größenordnungen von rund 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro. Damit zählte die Bank zu den neun größten Instituten des Landes und hielt einen Marktanteil von knapp drei Prozent.

Davor Macura (44)

Ein prägendes Merkmal war die starke Präsenz bei öffentlichen Auftraggebern. Staatsunternehmen und Behörden führten in erheblichem Umfang Konten bei Alta. Gleichzeitig wurde die Bank nach 2022 zu einer wichtigen Anlaufstelle für russische Staatsbürger und Firmen in Serbien, weil sie Konten vergleichsweise zugänglich eröffnete. Internationale Medien berichteten später von Aufmerksamkeit durch Aufsichtsbehörden wegen möglicher Geldwäsche-Risiken und Transferaktivitäten.

Regional expandierte die Bank durch die Übernahme der Stopanska Banka in Bitola (Nordmazedonien). Kurz vor dem Ende der Geschäftstätigkeit präsentierte sie noch eine direkte Dollar-Korrespondenzbeziehung mit einer großen US-Bank.

Lizenzentzug und Ermittlungen

Die Nationalbank hatte zuvor Maßnahmen angeordnet, um die Liquidität zu verbessern. Diese blieben erfolglos. In einer nächtlichen Sitzung Ende Oktober 2026 stellte die Aufsicht fest, dass die tatsächliche Finanzlage erheblich von den gemeldeten Zahlen abwich und die Einlegerinteressen gefährdet waren. Die Betriebslizenz wurde entzogen, der Zahlungsverkehr und die Kartendienste gestoppt, die Filialen geschlossen.

Die Einlagensicherungsagentur übernahm die Rolle des Insolvenzverwalters. Versichertes Geld bis 50.000 Euro pro Einleger soll über die Poštanska štedionica ausgezahlt werden. Am 2. November wurde Macura festgenommen. Die Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität untersucht den Verdacht, dass mit Hilfe von Bankmitarbeitern über einen längeren Zeitraum hohe Bargeldbeträge – Berichte nennen Summen in der Größenordnung von 380 Millionen Euro – aus dem Tresor entnommen worden seien. Die Vorwürfe sind Gegenstand laufender Ermittlungen und keine rechtskräftigen Feststellungen.

Auswirkungen auf Kunden und Nachbarländer

Besonders betroffen sind russische Kunden, die häufig größere Summen bei der Bank hielten und nun auf die Auszahlung der versicherten Beträge warten. Beträge darüber hinaus hängen vom weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens ab. In Nordmazedonien griff die dortige Zentralbank ein und setzte die lokale Alta-Tochter unter vorübergehende Verwaltung mit Zahlungsbeschränkungen. Der übrige serbische Bankensektor wird von der Nationalbank als stabil und ausreichend kapitalisiert eingeschätzt.

Politische und strukturelle Einordnung

Der Zeitpunkt des Eingriffs – wenige Tage nach dem Wahlsieg der Studentska lista und dem Ende der langjährigen SNS-Regierung – hat Diskussionen ausgelöst. Macura galt als politisch gut vernetzt. Ob die hohe Bargeldhaltung der Bank, die öffentlichen Aufträge und die internationale Aufmerksamkeit wegen der Kundenstruktur zusammenwirkten, wird die Untersuchung zeigen. Die Alta Group selbst (Einzelhandel, Immobilien und weitere Bereiche) ist rechtlich von der Bank getrennt, spürt jedoch die Erschütterung.

Der Fall Alta Banka verbindet schnelles Wachstum, enge Verflechtung mit dem öffentlichen Sektor und einen abrupten regulatorischen Eingriff in einem Moment des politischen Wandels. Für die Einleger steht die praktische Abwicklung im Vordergrund. Für Aufsicht und Öffentlichkeit bleibt die Frage, wie die Probleme so lange unentdeckt oder unzureichend behandelt bleiben konnten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alta Bank – SI generierter Text und Bilder
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