Aschermittwoch, 18. Februar 2026, internet24 Boulevard

Aschermittwoch ist der erste Tag der christlichen Fastenzeit und beendet gleichzeitig die ausgelassene Faschingszeit. Er ist geprägt vom Symbol der Asche, das für Vergänglichkeit und einen bewussten Neuanfang steht.

Und jetzt zum Thema “TikTok”

1. Was ist TikTok eigentlich? 🤳

TikTok ist eine Plattform für extrem kurze, algorithmisch kuratierte Videos. Das klingt banal, aber der Kern liegt im Wie:

  • Der Algorithmus ist das Produkt. Nicht die Follower, nicht die Inhalte – sondern die Fähigkeit, in Sekundenbruchteilen zu erkennen, was dich fesselt.
  • Endloses Scrollen. Kein natürlicher Stopp, keine Pause, kein „Kapitelende“ wie bei YouTube.
  • Maximale Reizdichte. Humor, Musik, Emotionen, Trends, Challenges – alles in 10–20 Sekunden verpackt.
  • Niedrige Einstiegshürde. Jeder kann produzieren, jeder kann viral gehen.

TikTok ist nicht einfach eine App. Es ist ein Aufmerksamkeitsbetriebssystem.

2. Warum ist TikTok ideal für Falschinformationen? ⚠️

Nicht, weil die Plattform böse wäre, sondern weil ihre Struktur bestimmte Inhalte bevorzugt:

a) Geschwindigkeit schlägt Tiefe ⏱️

Fakten brauchen Kontext. Falschinformationen brauchen nur eine gute Story. Ein 12‑Sekunden-Clip kann emotional überzeugen, aber nicht sauber erklären.

b) Emotionen werden belohnt 💥

Der Algorithmus misst Watchtime, Reaktionen und Shares – und nichts davon belohnt nüchterne, differenzierte Inhalte. Empörung, Angst und Sensation performen besser als leise, komplexe Erklärungen.

c) Visuelle Autorität 🎭

Wenn jemand vor einer Bücherwand steht, mit ernster Stimme spricht und Untertitel einblendet, wirkt es automatisch glaubwürdig – selbst wenn der Inhalt kompletter Unsinn ist.

d) Fragmentierung 🧩

Kinder und Jugendliche sehen nicht ein Narrativ, sondern hunderte Mikro-Impulse. Das erschwert kritisches Denken, weil es keinen roten Faden gibt und alles gleich wichtig wirkt.

3. Ist TikTok gefährlich für junge Menschen? 🧠

Gefährlich kann es sein – aber nicht, weil die App magisch böse wäre, sondern weil sie:

  • Aufmerksamkeit bindet,
  • Vergleichsdruck erzeugt,
  • Identität formt,
  • Normen vermittelt,
  • Emotionen manipuliert.

Das ist nicht völlig neu: Fernsehen, Werbung, Musikvideos, Foren – alles hatte ähnliche Effekte. Neu ist die Intensität und die Individualisierung.

4. Oder sind es die Eltern, die sich nicht kümmern? 👨‍👩‍👧

Hier wird es heikel, denn die Wahrheit ist unbequem: Viele Eltern können nicht, wissen nicht oder wollen nicht.

a) Können nicht 😓

  • Arbeitsstress,
  • Alleinerziehende,
  • digitale Überforderung,
  • fehlende Medienkompetenz.

b) Wissen nicht 🤷

Viele Erwachsene verstehen TikTok nicht. Sie sehen nur „lustige Videos“, nicht die Mechanik dahinter: Algorithmus, Suchtpotenzial, Daten, Dynamiken.

c) Wollen nicht 😴

Manche Eltern nutzen Medien als Babysitter – nicht aus Bosheit, sondern aus Erschöpfung. Aber: Kinder brauchen keine perfekten Eltern – sie brauchen präsente Eltern.

5. Was ist das Wesensmerkmal guter Erziehung? 🌱

Gute Erziehung ist nicht Kontrolle, sondern Begleitung.

  • Interesse zeigen statt nur überwachen.
  • Regeln erklären statt einfach verbieten.
  • Vorleben statt predigen.
  • Gespräche führen statt Panik schieben.
  • Digitale Kompetenz vermitteln statt Technik verteufeln.

Ein Kind, das gelernt hat, kritisch zu denken, ist auf TikTok nicht wehrlos – egal, wie der Algorithmus versucht, es zu packen.

6. Warum schieben Erwachsene alles auf die Politik ab? 🏛️

Weil es bequem ist.

a) Verantwortung outsourcen 📤

„Die Politik soll TikTok verbieten.“ – „Die Schulen sollen Medienkompetenz vermitteln.“ – „Die Plattformen sollen alles filtern.“
Das entlastet das eigene Gewissen.

b) Komplexität vermeiden 🧠

Digitale Erziehung ist anstrengend. Es ist leichter, einen Schuldigen zu benennen, als sich mit Algorithmen, Medienpsychologie und Jugendkultur auseinanderzusetzen.

c) Angst vor Kontrollverlust 😨

Viele Erwachsene fühlen sich in der digitalen Welt wie Fremde. Wenn man etwas nicht versteht, wirkt es bedrohlich – und man sucht nach einem starken Akteur, der „es regelt“.

7. Also: Wer ist schuld? ⚖️

Die unbequeme Antwort: alle ein bisschen.

  • TikTok, weil es ein System baut, das Aufmerksamkeit monetarisiert.
  • Eltern, weil sie oft überfordert oder abwesend sind.
  • Politik, weil sie zu langsam reguliert.
  • Gesellschaft, weil sie Kinder mit Reizen überflutet.
  • Wir alle, weil wir lieber Schuldige suchen als Lösungen.

8. Und was wäre die erwachsene Haltung? 🧭

Nicht Schuld verteilen, sondern Verantwortung teilen.

  • Eltern: Interesse und Begleitung.
  • Schulen: Medienkompetenz als festen Bestandteil von Bildung.
  • Politik: klare Regeln, Transparenzpflichten und Jugendschutz.
  • Plattformen: verständliche Einstellungen, Schutzmechanismen, weniger Dark Patterns.
  • Jugendliche: kritisches Denken lernen und eigene Grenzen reflektieren.

TikTok ist weder der Untergang der Jugend noch harmloser Spaß. Es ist ein mächtiges Werkzeug – und wie jedes Werkzeug braucht es Anleitung. 🔧

 

 

 

 

Comic-Bann hat damals auch nicht funktioniert

„Muss der Staat wirklich jeden Winkel des Privatlebens kontrollieren? Eltern können selbst entscheiden, was für ihr Kind gut ist und wie viel Zeit auf Tiktok es verträgt. Und – ein in der heutigen Zeit fast schon verwegener Gedanke – auch Jugendliche können Eigenverantwortung lernen. Ende der 1940er Jahre jedenfalls wollten die amerikanischen Behörden durchgreifen. In Detroit verbannte die Polizei Dutzende Comic-Magazine von den Zeitungsständen. Den Siegeszug der vermeintlichen ‘Schundliteratur’ konnte dies freilich nicht aufhalten. Anstatt die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, sollten Politiker lieber auf mehr Medienkompetenz an den Schulen und auf mündige Eltern setzen.“

NZZ via eurotopics.net