Dienstag, 6. Januar 2026 – internet24 Boulevard –

Die Niederlande haben beschlossen, sich aus den von den USA geleiteten Anti-Drogen-Einsätzen in der Karibik zurückzuziehen. Hintergrund ist die wachsende Zahl von Todesfällen, die durch amerikanische Militäraktionen gegen mutmaßliche Drogenschmuggler-Boote verursacht wurden.

Verteidigungsminister Ruben Brekelmans erklärte am Montagabend auf Aruba, dass die niederländischen Streitkräfte weiterhin in ihren eigenen Hoheitsgewässern gegen Drogenkriminalität vorgehen würden. An den US-geführten Missionen auf offener See – insbesondere an der Operation Southern Spear – werde man sich jedoch nicht länger beteiligen.

Die Operation, die im September begann, führte laut US-Angaben zu mehr als 20 Angriffen auf Boote, die angeblich Drogen transportierten. Dabei kamen über 100 Menschen ums Leben.

Brekelmans betonte, dass die Niederlande zwar seit vielen Jahren eng mit den USA in der Drogenbekämpfung kooperierten, jedoch mit einem anderen Ansatz. Ziel sei es, Schmuggler festzunehmen und strafrechtlich zu verfolgen – nicht, Schiffe zu beschießen.

Zuerst berichtete die niederländische Zeitung Trouw über die Entscheidung, die einen deutlichen Bruch mit der bisherigen Zusammenarbeit markiert.

Über Jahre hinweg hatten die Niederlande, die sechs karibische Inseln verwalten, eng mit den USA und weiteren regionalen Partnern zusammengearbeitet – unter anderem im Rahmen der Joint Interagency Task Force South. Dabei unterstützten niederländische Einheiten und die Küstenwache die USA bei Überwachung, Abfangaktionen, Festnahmen und Auslieferungen.

Brekelmans erklärte, dass sich die Strategie der US-Regierung unter Präsident Donald Trump verändert habe.

Außerhalb niederländischer Gewässer verfolgten die USA nun wieder einen rein nationalen Kurs, sagte er. Die aktuelle amerikanische Vorgehensweise sei im Wesentlichen eine alleinige Operation – und daran wolle man sich nicht beteiligen.

Die Entscheidung fällt in eine Phase wachsender Spannungen, nachdem die USA militärische Gewalt gegen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro eingesetzt und den Druck auf dessen Regierung erhöht hatten. International gab es dafür deutliche Kritik wegen möglicher Verstöße gegen Souveränität und Völkerrecht.

Brekelmans betonte, dass die niederländische Verteidigungsführung die Lage zwischen Washington und Caracas aufmerksam beobachte. Eine unmittelbare militärische Gefahr für die niederländischen Karibikinseln bestehe jedoch derzeit nicht.

Man müsse zwar auf verschiedene Entwicklungen vorbereitet sein, so der Minister, gleichzeitig aber realistisch einschätzen, welche Risiken tatsächlich relevant seien. Steigende Spannungen könnten den regionalen Luftraum und die Stabilität beeinflussen.

Zudem stellte Brekelmans klar, dass die Niederlande keinerlei Infrastruktur, Hubschrauber oder andere Unterstützung für die Operation Southern Spear bereitstellen würden. Sollte eine entsprechende Anfrage gestellt werden, werde man diese ablehnen.

Bereits im November hatte CNN berichtet, dass Großbritannien den Austausch bestimmter Geheimdienstinformationen mit den USA eingeschränkt habe, nachdem Washington begonnen hatte, tödliche Angriffe auf Boote in der Karibik durchzuführen.