Sonntag, 29. März 2026 – mit Sommerzeit – internet24 Boulevard –
Der Morgen schlich sich leise ins Zimmer, als hätte er Angst, jemanden zu wecken. Durch den Vorhang fiel ein erster, zarter Lichtstreifen auf den Küchentisch, wo zwei Tassen warteten: eine schlichte, weiße für den Tee und eine schwere, dunkelbraune für den Kaffee.
Noch halb verschlafen stand Anna davor und betrachtete die beiden wie alte Freunde, die unterschiedliche Abenteuer versprachen. Der Kaffee roch nach Energie, nach Aufbruch, nach „Los geht’s, die Welt wartet“. Der Tee dagegen duftete nach Ruhe, nach einem Moment für sich selbst, nach einem sanften Einstieg in den Tag.
Sie lächelte. Es war jeden Morgen dieselbe Frage, und doch fühlte sie sich nie gleich an. Heute spürte sie eine angenehme Schwere in den Schultern, eine Ruhe, die sie nicht vertreiben wollte. Also griff sie zur Teetasse, goss heißes Wasser darüber und sah zu, wie sich die Farbe langsam im Glas ausbreitete.
Mit der warmen Tasse in der Hand setzte sie sich ans Fenster. Draußen erwachte die Stadt, aber für einen Augenblick gehörte der Morgen nur ihr. Und während sie den ersten Schluck nahm, dachte sie, dass die Frage „Kaffee oder Tee“ vielleicht gar nicht beantwortet werden musste. Manchmal entschied einfach der Moment.





